Am Wochenende war in Oberhof, also quasi hier gleich um die Ecke, aber eigentlich knapp 45 Minuten hin, das 5. LSVD-Familienseminar. Nun habe ich von dem Seminar selbst leider nicht so viel mitbekommen, da ich am Freitag erst am späten Abend auftauchen konnte und am Samstag erst am frühen Abend.
Am Freitag traf ich gegen halb 10 oder sogar noch etwas später ein und verbrachte die erste Zeit erst einmal damit, mir in der Nähe mir bekannter Leute die ihnen bekannten Leute vorstellen zu lassen. Das funktionierte in etwa so, dass jemand am Tisch vorbei ging und ich raunte: „Kennst Du sie? Wer ist denn das?“ oder anders „Wenn diese oder jene kommt, gib mir bitte Bescheid.“ Das hat gut funktioniert und zwar so gut, dass ich am noch etwas späteren Abend in einer Runde BaWüler saß und mich da bis dreiviertel eins pudelwohl fühlte. An dem Tisch saß unter anderem auch Elke Jansen und da dachte ich mir kannst ja mal, wenn Du sie gerade so da hast, was bereden und hören, was sie dazu sagt. Irgendwie hatte ich auch angefangen, aber wie das so mit Spontaneinfällen ist, habe ich nicht wirklich gesagt, was ich meinte und bin nur dazu gekommen, zu sagen, dass die Stiefkindadoption noch nicht das gelbe vom Ei ist. Und als ich schlichtend meinte, dass es doch schon aber bis dahin schon viel erreicht wäre und man nicht undankbar sein sollte, ist mir meine Eigenschaft, vom 10ten ins 100ste zu kommen, auf die Füße gefallen. Als sie nämlich, auf meinen Versuch zu relativieren, in etwa meinte, dass man meckern müsse, sonst ginge es ja nicht vorwärts, da war ich perplex und aus dem Konzept gebracht und habe natürlich nicht das gesagt, was ich eigentlich sagen wollte. Aber das das eigentlich auch nicht so wichtig war, stellte sich dann heute raus, als ich im Netz diesen Vortag von ihr fand. Sie hat eben den im Juli 2007 gehalten und ganz am Ende unter der Teilüberschrift „Abstammungsrecht und Schleichwege“ lässt sich genau das lesen, was ich sagen wollte.
Bei verheirateten Paaren geschieht eine doppelte rechtliche Absicherung auch im Falle einer Zeugung durch Spendersamen sehr wohl übergangslos, denn das regelt das deutsche Abstammungsrecht: Wenn ein verheiratetes Paar mithilfe einer Samenbank ein Kind bekommt, gilt der nicht gebärende Partner, also der Ehemann, gemäß deutschem Abstammungsrecht offiziell als Vater des Kindes. Wenn ein lesbisches Paar, dass in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft lebt, auf diesem Weg ein Kind bekommt, ist das Kind rechtlich alleiniges Kind der leiblichen Mutter – die Co-Mutter gilt weiter als kinderlos… obwohl beide, der Ehemann und die Co-Mutter letztlich dasselbe Problem bei vergleichbaren Rahmenbedingungen haben: Eine biologisch bedingte Zeugungsunfähigkeit in Verbindung mit einem gemeinsamen Kinderwunsch in einer offiziell, d.h. staatlich, formalisierten Partnerschaft. Hier sei mir die Frage erlaubt, wie es denn an dieser Stelle mit der Anwendung des Gleichbehandlungsgrundsatzes aussieht?
Die gerechte und ökonomische Lösung, die dem Kindswohl sicher am meisten dienen würde im Falle gemeinsamer leiblicher Wunschkinder, läge in der Anpassung unseres Abstammungsrechtes durch Berücksichtigung eingetragener Lebenspartnerschaften. Eine Aufrechterhaltung der Exklusivität für verheiratete Paare im Falle einer heterologen Insemination diene, so vermutete eine französische Kollegin, vielleicht eher der rechtlich gestützten „Lüge der biologischen Abstammung“ denn dem faktischen Kindswohl. Nun, vielleicht ist da ja etwas dran … Doch bis das Abstammungsgesetz in Deutschland geändert wird, wird wohl noch viel Wasser den Rhein herunter fließen.
Bis dahin appelliere ich an alle Beteiligten, die an der Umsetzung der politisch bewusst initiierten Hilfskonstruktion für „leibliche Wunschkinder in eingetragenen Lebenspartnerschaften“ mitwirken, dem Einzelfall wirklich Rechnung zu tragen und zum
Wohle des Kindes vom Ermessenspielraum zumindest bei der Bemessung einer Adoptionspflegezeit Gebrauch zu machen: „Doppelt gesichert hält – je früher desto – besser“.
Ansonsten hat mich Elke Jansen neben noch einer anderen Frau mehrmals an dem Abend mit ihrer Art vom Hocker gehauen. Ich weiß nicht wirklich, was für einen Menschen ich erwartet habe, aber die Frau, die ich dann erleben durfte, hat mich mehrfach positiv überrascht.
Den halben Samstag habe ich dann leider mit Arbeiten zubringen müssen, so dass ich erst gegen 18:00 Uhr wieder in Oberhof auftauchen konnte. Um 20:00 Uhr gab es dann ein Konzert von Conny Schediwie. Sie hat sich selbst nur mit einer akustischen Gitarre begleitet, auf der sie virtuos zwischen den verschiedensten Barreés hin und her gleitete und wodurch ihre Stimme richtig gut zur Geltung kam und dann stand da das halbe Konzert über ein kleiner schnuckeliger Mann von zirka einem Jahr auf der Bühne, der sie wohl die ganze Zeit erstaunt oder interessiert ansah und ihr am Ende noch das Glas Wasser hoch reichte. Das war echt hinreißend. Kinder sind schon wirklich herrlich. Nach diesem Schmankerl gab es dann noch ein Treffen der ilse-Gruppen und da wurde festgestellt, dass sich eigentlich nur der Süden eingefunden hatte. Es war kein(e) ilse-VetreterIn aus den nördlichen Bundesländern da. Ich glaube aber ehrlich gesagt, dass BaWü auf dem Treffen schlichtweg dominiert hat, aber irgendwie scheint BaWü was zu haben. Die bloggenden Regenbogenfamilien wohnen ja auch alle, sofern sie in Deutschland wohnen, in BaWü. Woher kommt’s nur?
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