… ist ein Film über eine Zivildienstleistenden. In Auschwitz. Er ist am 16.08.2007 ins Kino gekommen und hat mich unweigerlich zu den nun folgenden Zeilen geführt.
Es war jahrelang Teil meines Lebens und wenn ich ehrlich bin, ist es das immer noch und wird es wohl bis zum Ende meines Lebens bleiben. Auschwitz, welches ich als Oświęcim kennengelernt habe und erst danach als das, wofür es steht. Das Lager vor der Stadt in dem die wenigsten wirklich fassen können, was da passiert ist und wie es gewesen sein muss. Man kann einen leichten Eindruck bekommen, den aber gibt es nicht am Tag und nicht in Auschwitz, sondern in Birkenau bei Dämmerung. Wenn es dunkel wird, da kann man ein wenig fühlen, wie unheimlich dieser Ort, der bei Tag eigentlich nur aus Wiese, einigen Baracken, Zäunen und einem unendlich großem Gelände besteht, wirklich ist. Es ist mir nur einmal passiert, dass ich da war, als es dunkel wurde und was da in mir passiert ist, konnte ich selbst nicht fassen. Es kommen Emotionen hoch, die ich vorher dort nie wirklich zugelassen hatte. mir wurde die Dimension bewusst, da das Areal bei Dämmerung nicht mehr zu überblicken ist und wenn man dann noch mit Vorstellungen von tausenden Menschen auf der Rampe im Kopf mit sich führt, mag man nur schnell da raus. Ich glaube, meiner Bekannten ging es da ähnlich. Wir haben damals nicht wirklich darüber gesprochen, was für Gefühle wir auf dem Weg zum Ausgang hatten, aber das war auch nicht nötig. Ihr Blick war eindeutig. Ich musste nicht nachfragen, um zu wissen, dass es ihr zumindest im Grundgefühl ähnlich ging, wie mir. Danach war eins klar. Ich würde nie wieder so spät nach Birkenau fahren, dass ich die Dämmerung erwische.
Die meisten Touristen fahren nach Auschwitz in einem Tagestrip während eines Aufenthaltes in Krakau. So lernen die meisten wirklich nur das vor der Stadt liegende Lager kennen. Die Kleinstadt bleibt dabei unbemerkt im Hintergrund und tatsächlich hatte ich so manches Mal dort das Gefühl am Ende der Welt angekommen zu sein.
Meine Erfahrungen in dieser Stadt beschränken sich auf die nähere Umgebung des Wohngebiets meiner Babcia (Oma). Als Kinder waren wir da ständig unterwegs und bis heute hat sich da nichts grundlegend geändert. Regelmäßig gab es Besuche im Freibad der Stadt. Es war ein See in den sich die Polen nur mit Badeschuhen trauten. Warum, verstand man, wenn man einen Blick neben den offiziellen Badebereich riskierte. Da lag dann aller möglicher Schmott in relativer Ufernähe im Wasser. Das fing bei zerbrochenen Flaschen an und endete bei ganzen Motoren.
Ansonsten ging es ebenfalls regelmäßig mit dem Rad in den Garten. Wo genau der lag kann ich heute nicht mehr sagen. Es war aber eine Art Kleingartenanlage und der Garten meiner Großeltern war herrlich wüst. Da wucherten Sträucher voller Früchte vor sich hin, an denen man sich herrlich bedienen konnte. Aus dieser Zeit habe ich wohl meine Abneigung gegen Himbeersträucher und die Himbeeren daraus. Es waren mir zu viele Spinnweben im Strauch und Tiere in den Himbeeren.
Und in regelmäßigen Abständen von mehreren Jahren gab es auch Besuche im Lager. Mein erster war ziemlich unglücklich. Ich glaube, ich war damals zehn, mein Bruder sieben und meine Cousine vier oder so. Wir kamen irgendwoher, ich weiß nicht mehr, was für eine Veranstaltung das war, auf alle Fälle fand sie in der Nähe des Lagers Birkenau statt. Also ging meine Babcia mit uns dahin und wir benahmen uns natürlich wie Kinder. Rannten durch das Tor zu den Baracken und krakelten dabei rum, wie wilde Hühner. Später habe ich nie verstanden, warum sich Massen von Menschen das Lager Auschwitz anschauen, aber nur ein Bruchteil von denen nach Birkenau kamen. Ich empfand schon als Kind Birkenau eher als den Ort, an dem man eine hauchdünne Ahnung davon bekam, welche Ausmaße der ganze Schrecken hatte, welche Masse an Menschen hier gewesen sein musste und unter welchen Bedingungen die Menschen dort leben mussten, wenn sie nicht gleich zur Vergasung selektiert wurden. Stellte ich mir das bildlich vor, liefen mir Schauer den Rücken runter und manchmal war ich auch den Tränen nah. Aber das intensivste Erlebnis hatte ich an dem schon vorher beschriebenen Abend dort.
Auschwitz, mit seinen von Bäumen gesäumten Straßen, seinen Steinhäusern, welche früher Kasernen waren, welche auch der Grund für die Entscheidung waren, das Lager gerade dort hin zu bauen, und vor allem mit den scharenweise das Lager durchstreifenden Tagestouristen, wirkt es zum Teil, wie eine Massenabfertigung. Aber die Menschen, von denen einige offensichtlich nicht wirklich begreifen, was dieses Lager mal bedeutet hat, sind zu viele. Es ist zu geschäftig, zu laut, zu unruhig. Und ich finde dort keine stille B(G)edenkminute. Lebhaft habe ich noch die niederländische Familie im Kopf, welche sich auf den Stufen eines Hauses seelenruhig verköstigte. Ob sie immer noch bedenkenlos auf den Stufen eines Hauses gefrühstückt hätten, wenn sie gewusst hätten, dass da jemand erschossen oder gepeitscht oder getreten oder verhungert oder von da aus zur Todeswand geführt wurde? Ich weiß es nicht. Die Masse, wird den Haufen Touristen sicher nicht begreiflich machen, was da wirklich passiert ist, zumal sich nur ein Bruchteil derer nach Birkenau aufmacht, um sich die Umstände dort anzusehen.




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