Immer wieder die Rollen

14 03 2008

Nach dem Glauben mancher konservativer Meinungsäußerer müssen wir ein Land eine Gesellschaft sein, in dem der sich Kinder nur gut entwickeln können, wenn sie spezifisches Rollenverhalten gezeigt bekommen. Das ist wieder mal wundervoll anhand des Inzesturteils zu begutachten. Treffend hat das The Gay Dissenter formuliert, wobei ich hier nur einen für mich sehr relevanten Ausschnitt aus seinem wirklich sehr lesenswerten Beitrag herausgenommen habe. Er schrieb gestern unter anderem:

„Wie kommt das Gericht darauf, dass in so einer Beziehung immer ein Partner unterlegen sein muss? Und weiß das Gericht nicht, dass, wenn die eugenischen Bedenken so gross sind, durch Verhütungsmittel das Entstehen von Abkömmlingen verhindert werden kann?

Die dem besonderen Schutz des Art. 6 GG unterliegende Familie wird durch Strukturprinzipien bestimmt, die sich aus der Anknüpfung der Verfassungsnorm an vorgefundene, überkommene Lebensformen und andere Wertentscheidungen der Verfassung ergeben. Ehe und Familie sind durch die staatliche Rechtsgemeinschaft deshalb besonders zu schützen, weil sie einen existentiellen Bestandteil des menschlichen Zusammenlebens darstellen. Die leibliche und seelische Entwicklung der Kinder findet in der Familie und der elterlichen Erziehung eine wesentliche Grundlage. Für das Kindeswohl spielen auch die in der Familie gegebenen Verwandschaftsverhältnisse, Rollenverteilungen und sozialen Zuordnungen eine wichtige Rolle.

Dieses Rollenverteilungsdenken (Ehefrau steht am Herd, Ehemann schafft das Geld heran) wird das Verfassungsgericht bei der nächsten Gelegenheit wieder heraus holen. Was das mit dem Inzestfall zu tun hat, bleibt fraglich. Ist doch gerade der familiäre Hintergrund des Beschwerdeführers ein ausgezeichneter Beleg dafür, dass das Familienbild des Verfassungsgerichts nicht der Lebenswirklichkeit entspricht.“

Immer kommt das Argument Kindeswohls in Verbindung mit Rollenverteilung. Halten denn gebildete einige Leute Kinder wirklich für so unfähig, dass sie neben dem klassischen Rollenverhalten keine Alternativen sehen? Ich frage mich wirklich, ob einigen denen nicht auffällt, dass diese klassische vorgeprägte oder irgendiwe anders festgelegte Rollenverteilung eher einschränkend sein und Raum zu individueller Entfaltung rauben kann? Aber auf solche Gedanken kommen einige Rollenbildverteidiger scheinbar nicht. Ich finde es schlichtweg beleidigend den Kindern gegenüber, die doch so manches Mal so viel ertragen und das Potenzial haben, sich mit so vielen Situationen arrangieren zu können.

Immer wieder kehrt bei diesen Überlegungen auch meine Sozialisation zurück. Komisch, Rollenverhalten fand ich doof. Ich finde es heute noch doof und teilweise sogar schlimm, wenn ich sehe, wo die klassischen Rollenverteilung enden kann. Zum Glück durfte ich hier im mehr oder weniger religionsbefreiten „Osten“ groß werden. In diesem wurde die Rollenverteilung für mich zumindest ideologisch gekillt. Ob das dann im wirklichen Leben genauso war, kann ich leider nicht beurteilen. Das habe ich ja nicht mehr in dem System erlebt, sonder in einem, dass klassische Rollenverteilung scheinbar präferiert. Vielleicht ist es aber nur meine eigene innere Aufsässigkeit, die sich weigert in irgendwelche Muster gepresst zu werden. Und das wünschen sich einige (ich weiß nicht wie viele) für Kinder, Kinder die sich in alle Richtungen entwickeln können? Nein Rollenmusterverteidiger meinen scheinbar sogar, dass es eine Grundbedingung für eine Kindesentwicklung ist. Da kann ich echt nur mit dem Kopf schütteln. Da arbeiten Menschen daran, dass Frauen auch da ankommen, wo Männer schon längst sind und gestöhnt wird über zu wenig Frauen in leitenden Stellen, aber wohin sollen denn klassische Rollenverteilungen sonst führen? Da wird doch traditionell vorgeführt, wer dafür zu sorgen hat, dass Geld nach Hause kommt und wer zu Hause bleibt und eigentlich nach den Kinder nicht mehr weiß, was der Lebensinhalt ist. Ah ja, ich vergaß, möglicherweise stecken in dieser Frage zwei entgegengesetze Lager.

Ok, ich weiß, der Beitrag ist konfus. Ich bekomme ihn nicht richtig zusammen. Vielleicht steckt da auch wieder mal zu viel Ärger nach den die Nachricht begleitenden Kommentaren, welche doch so gleich klangen, wie die, auf Grund derer Lesben und Schwulen immer noch nicht erlaubt wird, Kinder zu adoptieren, dahinter. Ich hoffe Ihr versteht trotz dessen.

Update (bei klarem Verstand) am 15.03.2008:

Die Intention zu diesem Beitrag war ein Kommentar, den ich sicher auf dem falschen Sender gesehen habe, in welchem der Kommentator sich darüber ausließ, mit welchen negativen Folgen geschwisterinzestuös gezeugte Kinder konfrontiert werden könnten. Unter anderem verwies dieser auf die schädliche Rollenkonfusion, welche durch die Mutter=Tante und Vater=Onkel Konstellation verursacht werden könnte. Nun frage ich mich aber, wieso Kinder deren Tanten und Onkel jünger als sie sind, nicht unbedingt Problem mit dieser doch nicht alltäglichen Rollenverteilung haben?