Immer nur ein Teil der Geschichte

6 06 2008

Vor ein paar Tagen gab es die reißerische Überschrift in der ein Engländer, der unter Deutschen Urlaub machen musste, Schadenersatz zugesprochen bekam. Durch Schokojule erfuhr ich, was ich mir schludrigerweise selbst nicht angelesen hatte und ich war verärgert darüber, dass der Spiegel die Überschrift genauso reißerisch brachte, wie eine Boulevardblatt. Wobei die Titelunterschrift schon schnell alles klar stellte. Es war ausschließlich deutschsprachige Angebote verfügbar. Die hätte der Engländer nicht verstanden.

Gestern hatte dann auch R*TL die Nachricht erreicht (na ja das Fernsehen hinkt eben immer hinterher) und publikumswirksam aufbereitet serviert. Natürlich haben die gleich ganz weggelassen, wofür der Schadenersatz gezahlt wurde. Erneut wurde ich in meiner Ansicht des Senders bestätigt. Wegzappen, so schnell es geht.

Heute nun berichtete Gay West über einen populistischen polnischen Politiker, welcher sich in einem Interview bei TVN*24 seine Überzeugungen zum besten gab. Nur war diese in Verbindung mit der Geschichte, um die es ging, völlig irrelevant, da er sich zu einem für die irrelevanten Fakt äußerte.

In der zugrunde liegenden Geschichte ging es um eine Sorgerechtsverhandlung, welche die Großmutter des Kindes ihrer lesbischen Tochter angestrengt hatte. Das Kind hatte zuvor, auf Wunsch der Mutter ab dem zweiten Lebensjahr bei der Großmutter gelebt, da sich die Mutter in einer schwierigen Lebensphase befand. Angeblich soll sie damals auch Probleme mit Drogen gehabt haben. Und genau das veranlasste das Gericht zu entscheiden, dass das Kind bei der Großmutter verbliebe, die Mutter müsse sich erst wieder an ihre Tochter annähern und dem Kind könne nicht zugemutet werden, dass es tagtäglich von hier nach da umgesiedelt wird.

Der Sender allerdings greift sich wie auch der vorher genannte deutsche Sender den publikumswirksamsten Fakt aus der Geschichte raus, ganz egal wie die Fakten liegen und dass das Gericht klar festgestellt hat, dass zu keiner Zeit die sexuelle Orientierung der Mutter des Kindes bei dem Urteil irgendeine Rolle gespielt hat. Ob das nun der Wahrheit entspricht muss ich einfach mal annehmen. Der von der Menschenrechtsorganistation „Helsinki-Komitee“ der Mutter zur Seite gestellte Anwalt bestätigte diesen Fakt allerdings. Die sexuelle Orientierung hätte keinerlei Rolle gespielt.

Beide Beispiele zeigen gut, wieso privaten Sendern besser nicht getraut werden sollte. Deren einziges Interesse ist die Wirtschaftlichkeit, sonst nichts. Da erzählen sie gern mal auch nur die halbe Wahrheit. Und manchmal kommt sie dann auch genau so an, als ob die ganze Wahrheit wäre.

Davon bin ich unheimlich genervt und zum Glück habe ich das kleine Blögchen, in welchem ich mich darüber auch mal auslassen kann. Cool.





Wer hätte das gedacht

6 06 2008

Hessen schafft alle Studiengebühren ab, sogar die für Langzeitstudenten. Das finde ich ja ehrlich gesagt unglaublich. Fraglich, ob da wer nachzieht. Wenn Thüringen dem Beispiel folgt, dann könnte ich mit vielleicht die letzten beiden Semester die Lanzeitstudiengebühren auch sparen.

Vernunft: „Träum’ weiter, Pat!!! 2009 kommen eher noch die fürs Erststudium. Wohnst ja schließlich lange genug hier, um zu wissen, dass es nicht anders laufen wird.“

Aber mal im Ernst. Wenn die neue Regierung die Gebühren abschaffen können, dann können die Gewinner der nächsten Wahl diese auch wieder einführen und das kann ja dann immer ein Wechsel pro Legislaturperiode werden. Uns somit wir nur ein Teil der zukünftigen Studenten gebührenfrei studieren können. Ein Sieg sieht bei mir irgendwie anders aus. Aber im Zuge des Bolognia-Prozesses kann dann wenigstens in einer Legislaturperiode gebührenfrei ein erster Abschluss erreicht werden. Insgesamt müsste das dann bei nicht verkürzter Legislaturperiode für Hessen mindestens zwei komplett und insgesamt vier zum Teil gebührenbefreite Studentenjahrgängen bis zum Bachelor geben. Ein Master wäre komplett gebührenfrei nicht drin. Schöner Eiertanz könnte das werden.