Vor ein paar Tagen gab es die reißerische Überschrift in der ein Engländer, der unter Deutschen Urlaub machen musste, Schadenersatz zugesprochen bekam. Durch Schokojule erfuhr ich, was ich mir schludrigerweise selbst nicht angelesen hatte und ich war verärgert darüber, dass der Spiegel die Überschrift genauso reißerisch brachte, wie eine Boulevardblatt. Wobei die Titelunterschrift schon schnell alles klar stellte. Es war ausschließlich deutschsprachige Angebote verfügbar. Die hätte der Engländer nicht verstanden.
Gestern hatte dann auch R*TL die Nachricht erreicht (na ja das Fernsehen hinkt eben immer hinterher) und publikumswirksam aufbereitet serviert. Natürlich haben die gleich ganz weggelassen, wofür der Schadenersatz gezahlt wurde. Erneut wurde ich in meiner Ansicht des Senders bestätigt. Wegzappen, so schnell es geht.
Heute nun berichtete Gay West über einen populistischen polnischen Politiker, welcher sich in einem Interview bei TVN*24 seine Überzeugungen zum besten gab. Nur war diese in Verbindung mit der Geschichte, um die es ging, völlig irrelevant, da er sich zu einem für die irrelevanten Fakt äußerte.
In der zugrunde liegenden Geschichte ging es um eine Sorgerechtsverhandlung, welche die Großmutter des Kindes ihrer lesbischen Tochter angestrengt hatte. Das Kind hatte zuvor, auf Wunsch der Mutter ab dem zweiten Lebensjahr bei der Großmutter gelebt, da sich die Mutter in einer schwierigen Lebensphase befand. Angeblich soll sie damals auch Probleme mit Drogen gehabt haben. Und genau das veranlasste das Gericht zu entscheiden, dass das Kind bei der Großmutter verbliebe, die Mutter müsse sich erst wieder an ihre Tochter annähern und dem Kind könne nicht zugemutet werden, dass es tagtäglich von hier nach da umgesiedelt wird.
Der Sender allerdings greift sich wie auch der vorher genannte deutsche Sender den publikumswirksamsten Fakt aus der Geschichte raus, ganz egal wie die Fakten liegen und dass das Gericht klar festgestellt hat, dass zu keiner Zeit die sexuelle Orientierung der Mutter des Kindes bei dem Urteil irgendeine Rolle gespielt hat. Ob das nun der Wahrheit entspricht muss ich einfach mal annehmen. Der von der Menschenrechtsorganistation „Helsinki-Komitee“ der Mutter zur Seite gestellte Anwalt bestätigte diesen Fakt allerdings. Die sexuelle Orientierung hätte keinerlei Rolle gespielt.
Beide Beispiele zeigen gut, wieso privaten Sendern besser nicht getraut werden sollte. Deren einziges Interesse ist die Wirtschaftlichkeit, sonst nichts. Da erzählen sie gern mal auch nur die halbe Wahrheit. Und manchmal kommt sie dann auch genau so an, als ob die ganze Wahrheit wäre.
Davon bin ich unheimlich genervt und zum Glück habe ich das kleine Blögchen, in welchem ich mich darüber auch mal auslassen kann. Cool.




Die neuesten Kommentare