Dieses Semester musste ich gezwungener Maßen noch ein Seminar in der Erziehungswissenschaft belegen und eins kann ich definitiv sagen. Es war das erste Seminar in dem Fach, welches mir einen wirklichen Erkenntnisgewinn gebracht hat.
Wenn Generationen, welche die DDR nicht erlebt haben, sich über die DDR und die Erziehung in ihr informieren wollen, dann werden sie ein echt krasses Bild sehen. Sie werden nicht sehen, dass Ideologie das eine war und die Wirklichkeit etwas ganz anderes. Sie werden nicht sehen, dass wenn jahrelang immer das gleiche monotone Zeug fast religionsgleich gepredigt wird, es auswendig hergebetet werden kann, aber völlig sinnbefreit ist und einem einfach nur zum Hals raus hängt. Zu viel ist eben zu viel, egal ob es stimmt oder nicht. Sie werden nicht sehen, dass auch in diesem Staat denkende Menschen gelebt haben. Alles was aus den schriftlichen Überbleibseln dieses Staates da ist, ist so sehr mit Ideologie durchzogen, dass nur auf den zweiten Blick deutlich erkennbar ist, dass diese damit faktisch unwirksam war.
Studentinnen referierten da über DDR Medien so, als ob es keinerlei Alternative zu denen gegeben hätte, als ob diese alternativlos konsumiert werden musste, dabei hat sogar die Stasi anhand der Lichtwechsel im Wohnzimmer kontrolliert, ob Westfernsehen konsumiert wurde. Die DDR war kein medial hermetisch abgeriegelter Staat, nur musste man sich leider mit der Wirklichkeit abgeben, in der es hieß sein tägliches Leben zu organisieren. Ich habe nur den Hauch einer Ahnung, was es hieß nach der Schule in der Arbeitswelt der DDR landen zu müssen und ich weiß nur eins. Für mich wäre das der Horror gewesen, der ganze Staat wäre das gewesen. Ich bin sehr sehr dankbar, dass der Umbruch genau dann kam, wann er kam.
Nur möchte ich nicht akzeptieren, dass nachfolgende Generationen glauben, wir hätten den Schrutz, der eben leider als einziges aus diesem Staatsgebilde übriggeblieben ist, wirklich geglaubt. Leider bin ich seit diesem Semester klüger. Nachfolgende Generationen werden es wohl genauso sehen und ich bin mir nicht mal sicher, ob die Menschen in den alten Bundesländern es nicht genauso sehen.
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