Seit ich im Forum bei Eltern.de gelesen habe, dass sich da jemand, nachdem die Kinder da waren, weniger als Lesbe und danch primär als Mama definiert, rumort es in meinem Kopf. So etwas halte ich für mich noch nicht mal im Ansatz für möglich. Ja klar Mama werde ich auch, aber deswegen weniger Lesbe? Kann ich bis jetzt nicht glauben. Ich bin wirklich gespannt, wie sich das nach Januar entwickeln wird. Vor allem, weil das auch, wenn es wohl tatsächlich nicht jeder Lesbe so geht, ein immenser Teil meiner eigenen Selbstdefinition ist. Und dann frage ich mich manchmal wirklich, ob ich da nicht mehr habe. Aber ist soviel Glück so wenig? Und da meine Beziehung im aboluten Zentrum meines Lebens steht, geht das wohl nicht wirklich anders. Also bleibt mir nichts anderes übrig als mit der Selbstdefinition zu leben, die mir am besten passt.




Na da bin ich ja froh, dass ich rechtzeitig angefangen habe, nach lesbischen Mamas zu fahnden. Dann sollte mir nicht passieren, dass ich das Gefühl haben werde, allein zu sein. Kinder(wunsch)lose Lesben habe ich kaum noch in meinem näheren Umfeld. Und das ist mir erstaunlicherweise nicht mal so aufgefallen.
Deswegen ist es ja so wichtig, dass sich lesbische Mütter vernetzen – dass es einen Ort gibt, wo wirklich diese beiden Aspekte, die das Leben mit Kind so bestimmen, zusammenkommen. Denn es gibt viele Momente, wo du dich einerseits bei kinderlosen Lesben und andererseits bei Heteromüttern einsam fühlst. Mit beiden Gruppen hast du viel gemeinsam, aber dann trennt dich auch wieder was. Und ich finde, je länger das geht – unsere Tochter ist 6 – desto doller wird das. Das hatte ich, ehrlich gesagt, nicht so erwartet. Am Anfang finden das die kinderlosen Lesben noch spannend, wenn du als bewusste Lesbe ein Kind kriegst, und die Heteros sowieso, aber dann trennt sich der Alltag doch immer mehr, und da ist es einfach toll, wenn es Orte gibt, wo diese beiden Identitäten gleichermaßen zum Tragen kommen.
Na gut seltsam finde ich es nicht. Gibt es ja genug Frauen, die sich in erster Linie als Mutter definieren. Es sind eben die individuellen Vorstellungen eines jeden selbst. Aber für mich wirklich nicht vorstellbar. Genauso wenig, dass ich mich dann nur noch über die Kinder unterhalten kann. Und das habe ich auch bei Freundinnen erlebt, von denen ich eigentlich dachte, dass die über mehr reden könnten auch wenn sie Kinder haben. Ich bin gespannt, wie es dann aber wirklich aussehen wird. Aber tatsächlich werde ich wohl auch mich mehr im Outen üben, als bisher. Und darauf bin ich definitiv gespannt. So richtig habe ich das ja noch nicht wirklich praktiziert. Das heißt nicht, dass ich mich noch nicht, wo immer ich konnte selbstverständlich, nur waren die Möglichkeiten bisher begrenzt und der Kreis meist gebildet. Aber mit Kind kann sich der Erwachsenkontakt ja nicht mehr ganz so speziell ausgesucht werden. Da bin ich dann schon gespannt.
Manche Menschen sind seltsam, als ob sich durch Mutterschaft alles andere relativiert. Ok, das Leben wird auf den Kopf gestellt, aber zu all meinen jetzigen Identitätskonzepten kommt das als Mutter eben hinzu. Sich dadurch weniger als Lesbe zu empfinden, empfinde ich als komisch. Ich glaube ich bin jetzt viel mehr Lesbe, weil ich es viel öfter sagen, erklären, wie auch immer muss. Vor allem weil ich meinem Kind nicht was vormachen will und die Entscheidung aufbürden, mit dem “Familiengeheimnis” zu leben.