Ich musste erst ein paar Tage vergehen lassen und den Besuch ein wenig verdauen, um einigermaßen objektiv darüber zu schreiben. Ganz wird es aber wohl immer noch nicht gehen. Leider hängt das wohl mit einem Fehler von mir zusammen, der mich optimistischer Weise hat glaube lassen mit guter Vorbereitung und guten Argumenten tatsächlich zwei heterosexuellen Adoptionsamtsfrauen unsere Situation so erklären zu können, dass das Verfahren nicht strikt nach Patchworkfamilienmodell stattfinden muss. Und genau an der Stelle bin ich einem gewaltigen Irrtum aufgesessen.
Das Verfahren wird genauso ablaufen, als ob wir eine zusammengefundene Patchworkfamilie wären. Sie waren mit keinen Argument von etwas anderem zu überzeugen. Die Adoption kann erst erfolgen, wenn das Kind ein Jahr alt ist und dass habe ich gleich mal mitgefragt, sollte ein zweites kommen, würde das Verfahren mit genau den gleichen Anforderungen von statten gehen. Das Kind kann dann auch erst nach einem Jahr adoptiert werden. Dazu wollen sie noch, damit es vor Gericht einfacher läuft und wenn ich es richtig verstanden habe, eine notarielle Vaterschaftsanerkennung mit gleichzeitiger Freigabe zur Adoption. Nur ist der Spender leider kein Vater, auch nicht vor dem Gesetz, aber den Spritzenakt hätte ich wohl besser fotografisch festgehalten, damit ich das dann auch beweisen kann.
Es ist eben doch eine heteronormative Gesellschaft und aus der Sicht einer Adoptionsstelle wird wohl auf die Abstammung besonderen Wert gelegt. Weniger wegen der Argumentation das Kind braucht Mutter und Vater, sondern eher aus der Argumentation heraus, dass es wissen soll, wo es herkommt. Steine werden uns nicht in den Weg gelegt werden und auch von der Richterin werden keine Probleme erwartet, aaaaaber… Es gibt kein Abrücken vom normalen Verfahren, um auch nur einen Millimeter, nach Aussage gibt es da wohl kein Ermessensspielraum. Aber das ist ja ein Amt und wer weiß schon, ob sie nur Dienst nach Vorschrift machten. Und so bin ich fast perplex aus allen Wolken gefallen, als ich erfahren habe, dass das Kind doch mindestens ein Jahr alt sein muss, damit sie beurteilen können, ob eine Eltern-Kind-Beziehung entstanden ist. Dummerweise war ich von dieser Information so überrollt, dass ich tatsächlich nichts mehr dazu sagen konnte. Ein Jahr, das ist echt nicht wahr. Aber der Antrag kann schon nach acht Wochen eingereicht werden. Fragt sich nur, was das nützt, wenn die dann sowieso noch mindestens zehn Monate warten.
Und hier kommen noch zum krönenden Abschluss das Highlight des Gespräches. Wir sollten doch ein Foto mit Baby und Spender machen und für das Kind bereit halten. Damit das Kind auch merkt, dass der Spender es gern gemacht hat und sich auch etwas dabei gedacht hat. Achja und das Foto sollte irgendwo gut sichtbar für das Kind platziert werden. Na klar. Wir haben fast keine Fotos von uns stehen, werden aber eins mit dem Spender und dem Kind hinstellen. Also manchen Gedankenverirrungen muss ich wirklich nicht verstehen, oder?




Verständlich. Das ist ja auch nicht Sinn der Sache. Und Vater unbekannt funktioniert bei euch nicht? Das wurde bei uns widerstandslos hingenommen.
Doch das geht auch, könnte aber schwieriger und/oder langwieriger vor Gericht werden. Deshalb werden wir es erst mir anonymen Spender versuchen und wenn das nicht klappt dann doch eventuell eine notarielle Anerkennung und Einverständniserklärung machen. Aber eben nicht gleich am Anfang des Verfahrens, sondern dann erst eher am Ende. Auch damit seine Daten nicht ewig bei denen liegen. Die gehen sie nämlich schlichtweg gar nichts an.
Also vom JA kam nur das mit dem Foto als gut gemeinter Rat und für die Identitätsfindung des Kindes. Das mit dem Vater wollten sie, damit es vor Gericht einfacher wird. Weil mit Vater ist die Sache eindeutig geklärt. Nur möchten erstens wir die notarielle Vaterschaftsanerkennung nicht und der Spender schon erst recht nicht.
Das ist ja wohl wirklich ein Witz. Ein Bild von Spender und Baby? Was soll das denn. Und das mit der Adoption nach einem Jahr finde ich auch ziemlich dämlich. Die ganze Stiefkindadoption ist einfach dämlich. Auch wenn ich dankbar dafür bin, dass es die wenigstens gibt, bin ich nach wie vor der Meinung, das Kind sollte gleich von Anfang an auch beide Mütter auf der Geburtsurkunde stehen haben.
Und was wenn ihr den Spender nicht wirklich kennt? Und eine notarielle Vaterschaftsanerkennung mit gleichzeitiger Freigabe zur Adoption? Dann könnte man sich das ja auch gleich sparen. Vater unbekannt und gut ist. Manchmal sind Ämter wirklich nervtötend. Naja, eigentlich immer.