Besuch beim Landesjugendamt

21 06 2009

Es ist schon erstaunlich, wie unterschiedlich doch Menschen rüber kommen können, obwohl sie mit Worten das gleiche sagen. Und doch wird es unterschiedlichen Personen irgendwie anders abgenommen, weil sie bessere Worte verwenden oder die Kommunikationschemie einfach stimmt. Aus dem Landesjugendamt sind wir nämlich mit einen absolut positiven Gefühl raus gegangen, obwohl wir dort auch nur erfahren haben, was wir schon wussten. An der Adoptionspflegezeit lässt sich nichts ändern. Sie hat zwar gemeint, dass das keine feste Größe ist, aber es wird sich +/- 2 Monate meist dran gehalten. Sie hat uns dazu geraten sofort den Antrag beim Notar zu stellen, und uns sofort Pluspunkte für die Dauer unserer Verpartnerung gegeben. Wir musste uns nicht im geringsten erklären und sie hat alles endlich mal verständlich und nachvollziehbar aufgezeigt.

Warum zum Beispiel will das Jugendamt den Spender wissen, wenn er bekannt ist? Sie wollen es zur eigenen Absicherung, zur Absicherung des Mannes und im Interesse der Kindes haben.

Zur eigenen Absicherung deswegen, weil das Verfahren dann in keinster Weise mehr anfechtbar ist, und sich nichts mehr dran rütteln lässt (wie zum Beispiel, dass frau später im Falle einer Trennung sagt, die Adoption sei nicht in Ordnung verlaufen, weil sie den Unterhalt fürs Kind nicht bezahlen möchte. (Scheinbar gibt es solche Fälle. Ich vermute jedoch eher von seiten so genannter Stiefväter,).

Als Absicherung für den Spender, denn mit seiner Bekanntgabe gibt er gleichzeitig ganz offiziell alle Rechte und Pflichten am Kind ab. (An wen lass ich mal hier weg, denn der Begriff ist zu grässlich für mich, denn meine Frau ist offensichtlich mehr Mutter, als ich.) Und dann kann niemand mehr kommen und sagen, ich will trotzdem Unterhalt von Dir. Nur irgendwie kann das Kind das doch auch nicht, wenn die Adoption erfolgt ist. Aber egal.

Bleibt noch die Absicherung für das Kind. Bei einem bekannten Spender möchte das Jugednamt die Daten von ihm für das Kind aufbewahren, so dass das Kind egal in welcher Situation mal Spender und Mütter sind, immer die Möglichkeit hat, zu erfahren, wer denn der Spender war. Das kommt ja eigentlich an die Konditionen einer YES-Spende von der Samenbank gleich.

Es war ein wirklich informatives und gutes Gespräch und nun wissen wir, dass wir im Zweifelsfall sogar das Landesjugendamt hinter uns haben. Denn unser gemeinsamer Auftritt und unsere Eckdaten haben schon jetzt überzeugt. Die gewünschte Namensänderung sollte so auch kein Problem werden, wir dürfen frei wählen, welchen Nachnamen Kuba tragen soll. Und dass er dann eigentlich weder wie seine Mama, noch wie ich heißt, ist auch kein Problem, da sie die geschlechtsbezogene Nachnamensregelung in Tschechien in ihrem Bericht an das Gericht erklären wird.

Nun werde ich doch mal meinen Hintern bewegen und alles soweit in die Wege leiten. Nächstes Jahr sollte es dann erledigt sein. Denn das Verfahren dauert mindestens ein halbes Jahr. Und genau deshalb hat sie uns wärmstens ans Herz gelegt, das Verfahren schon zu starten. Das können wir ruhig auch ohne Angabe des Spenders machen. Sollte das Gericht, dann aber das Adoptionsverfahren nicht abschließen, weil es eben genau diese Angabe haben möchte, dann können wir, falls T. einverstanden ist, diese Angabe noch nachreichen. Also geht es erst mal ohne Spender in die Runden und sehen wir was passiert. Denn, das hat die gute Frau uns auch noch gesagt, sie kann keine Ausgangsprognose stellen, denn hier werden im Herbst die Gerichte umstrukturiert und so wandern Adoptionsangelegenheiten, die bist dato von dem Vormundschaftsgericht entschieden wurden, zum Familiengericht und dort sitzen nun mal wieder RichterInnen, welche sie noch nicht kennt. Und sie quasi nicht weiß, wie die so entscheiden. (Eben auch nicht, ob sie homophob sind, auch wenn sie das nicht so gesagt hat.)

Alles in allem sind wir mit einem mega gutem Gefühl aus dem Ministerium verschwunden. Es hat richtig Spaß gemacht, mal mit einem Menschen bei einem Amt zu reden, der erstens bei der Information, dass wir eine Regenbogenfamilie sind, nicht gleich aus allen Wolken fällt, die Gesetzeslage ohne große Vorbereitung parat hatte, einfach bescheid wusste und noch dazu noch eindeutig das Gefühl vermittelt hat, hinter uns zu stehen. Gut, dass wir (ja wir beide) mit so niedrigen Erwartungen da hin spaziert bin. Umso toller haben wir uns dann nach dem Gespräch gefühlt. Mit solchen Menschen macht selbst Adoptieren Spaß. Da hat die Chemie einfach gestimmt.


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4 Antworten

8 07 2009
Reis zur Verpartnerung « ThinkPink unterm Regenbogen

[...] Das verflixte siebte Jahr hat uns das größte Glück unseres Lebens beschert. Das war schon beim letzten Mal so. Am Beginn des verflixten siebten Jahres unserer Liebe haben wir uns verpartnert, ja auch aus Liebe, aber eben nicht primär. Denn Liebe braucht keine Verpartnerung oder Ehe. Wir wussten auch ohne diesen profanen Akt, dass wir zusammen bleiben würden. Nur der Staat hätte es uns nicht erlaubt. Also mussten wir dagegen steuern. Und das bringt uns noch heute was. Beim Landesjugendamt wurde die Stabilität unserer Beziehung nämlich anhand unseres Verpartnerungst…. [...]

22 06 2009
Lionidas

das hört sich ja mal wirklich gut an…(jaja ich schon wieder ;) ) sobald wir wissen wo wir den nun in 2 Monaten genau hinziehen legen wir auch los, da werd ich dich bestimmt nochmal löchern deswegen..hast du meine mail bekommen?

22 06 2009
Pat

Ja klar habe ich das und auch an einigen Stellen schon was dazu geschrieben. Kannst ja mal nachschauen. Zum Landesjugendamt müsst ihr nicht wirklich, aber sollte das Jugendamt Stress machen, dann würde ich mich schon an das Landesjugendamt wenden. Wir musste nur dahin, da meine Frau die tschechische Staatsbürgerschaft hat und damit ein minimaler Auslandsbezug besteht, der abgeklärt werden muss.

22 06 2009
Lionidas

ja jetzt hab ichs gesehen..hatte gar nicht kapiert das man da kommentare schreiben kann….

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